Wut / Ärger

Sie zeigt sich wie folgt im Gesicht der Menschen:
- Augenbrauen herunter und zusammengezogen
- oberes Augenlid hochgezogen (es berührt die Augenbraue bzw. ist nicht mehr zu sehen)
- starrer, bohrender Blick
- Anspannung der Muskeln unter den Augen und des unteren Augenlids
- Lippen zusammengepresst und angespannt (der Mund kann sowohl offen als auch geschlossen sein)
- Kinn hochgezogen
- Unterkiefer angespannt und eventuell vorgeschoben
Beschreibung:
Wut ist eine Emotion, die sehr vielfältig ist und auf die man deswegen oftmals falsch reagiert, nämlich so, daß diese Emotion im Gegenüber noch angefacht wird. Auch hier müssen nicht alle der oben angegebenen Merkmale sichtbar sein; manchmal kann man neben den Bewegungen der Gesichtsmuskeln auch eine Rötung des Gesichtes oder schnellere Atmung (und Herzfrequenz) feststellen. Wut führt oft zu Handlungen, die später bedauert und bereut werden. Deswegen sollten wir besonders auf Hinweise dieser Emotion achten.
Zunächst sollten wir natürlich versuchen, unseren eigenen Ärger und unsere Wut abzumildern. Wenn man sich und seine emotionalen Reaktionen sorgfältig beobachtet, kann man bald feststellen, wann sich Wut in einem aufbaut. Ist man sich dieses Prozesses bewußt, kann man früh genug in seine eigene Handlungsweise eingreifen, so daß es nicht zu unkontrollierbarer Wut und entsprechenden Handlungen kommt. Erinnern wir uns an ein Ereignis, in dem wir richtig außer uns vor Wut waren, erleben wir eventuell erneut einen Teil der damals gefühlten Wut. So können wir kontrolliert beobachten, wie sich Wut bei uns anfühlt. Achtet man dann auf diese Anzeichen im täglichen Leben, hat man schon einen wichtigen Schritt getan. Hat man seine eigenen Anzeichen für Emotionen erkannt und kontrolliert diese weitestgehend, darf man jedoch nicht den fehler machen und davon ausgehen, daß es andere Menschen um einen herum ebenso machen. Die meisten Menschen erkennen ihre Emotionen erst dann, wenn sie bereits im festen griff dieser sind und so gut wie automatisiert handeln. Gerade in Bezug auf Wut sprechen wir oft nach einem Wutausbruch davon, daß wir nicht mehr Herr unserer Selbst waren – man sagt nicht umsonst “außer sich vor Wut”.
Ärger oder Wut?
Aber wie geht man nun damit um, wenn man in den Geischtern seiner Mitmenschen Ärger oder Wut erkennt? Grundsätzlich sollte man es unterlassen, denjenigen mit einem Satz wie “Warum bist Du jetzt wütend (auf mich)?” noch wieter in die Wut zu treiben. Mit einem solchen Satz bestätigen wir die Wut des anderen und können so die Wut noch weiter anzufachen, so daß sie schließlich unkontrollierbar wird. Möglich wäre auch, daß mit unserer Bestätigung der Wut des Gesprächspartners, uns selbst den Auslöser geben, um selber wütend zu werden und somit könnte ein ausuferndes Wortgefecht (oder auch Tätlichkeiten) folgen. Die Wut aber einfach zu ignorieren und ab sofort umso vorsichtiger zu handeln ist aber auch keine Lösung und könnte gegebenenfalls ebenfalls zu einer Konfrontation führen.
Was also tun? Der Gegenüber ist sich vielleicht noch garnicht seiner Wut bewußt, zeigt diese aber bereits in seinem Gesichtsausdruck. Dann kann es sehr helfen, wenn man versucht über den Grund des Ärgers mit diesem zu sprechen, oder ihm wenigstens die Möglichkeit dazu zu geben. Man könnte etwa so vorgehen, daß man sagt, daß einem die gerade überbrachte Nachricht unangenehm war, bzw. deren Übergabe unangenehm war und man sich gen mit dem Empfänger der Nachricht unterhalten würde über dessen Inhalt. So bestätigt man nicht direkt den Ärger oder die Wut über den Inhalt der Nachricht, sagt aber gleichzeitig, daß man damit nicht glücklich ist und gern zum Gespräch bereit ist. So hat man der Wut eine ganze Menge der Hitze und Schäfe genommen und auch Ärger abgemildert.
Reagieren / Agieren:
Wenn man nun aber nicht weiß, warum der gegenüber gerade wütend ist/wird, kann man so auch nicht agieren, weil dazu die Grundlage fehlt. Vielleicht erinnerte sich derjenige gerade an etwas, was ihn einmal wütend machte und noch immer nicht geklärt ist. Wie auch immer es aussieht, eine Einladung zu einem Gespräch ist immer eine gute Möglichkeit, Wut und Ärger zu mildern. Hat sich der Gesprächspartner jedoch bereits so weit in die Wut hereingesteigert, daß er keine Kontrolle mehr über die Emotion hat, sollte man unbedingt warten, bis man den Vorschlag zu einem Gespräch unterbreitet.
Die Grundaussage von Wut ist in etwa “Laß mich in Ruhe!”
Zu den Gesichtsausdrücken sei noch angemerkt, daß zusammen und heruntergezogene Augenbrauen alleine nicht auf Wut schließen lassen. Dieses Mikrosignal ist immer dann zu beobachten, wenn jemand etwas schwieriges lösen muß/soll oder auch bei körperlicher Anstrengung. Es tritt auch bei starker Konzentration auf. Allerdings kann dieses Mikrosignal auch ein Anzeichen einer milden oder unterdrückten, bzw. überspielten Wut sein.
Quelle: Paul Ekman – Gefühle lesen / Zusammengefasst von Dela.










